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Artikel Südkurier |
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Der Schnitt, den Alexander Herr in diesem Sommer gemacht hat, wirkt radikal. Wenn einer, bei dem 25 Jahre Skispringen Mittelpunkt des Lebens war, sagt, dass er "für Wintersport derzeit nur wenig Interesse" hat, so ist das doch etwas verwunderlich. Kaum vorstellbar, dass er am kommenden Wochenende nicht vor dem Fernseher sitzt und den Weltcup-Auftakt seiner ehemaligen Kollegen im finnischen Kuusamo verfolgt. Doch die Einstellung des Schonachers ist zugleich auch vielsagend und offensichtlich ein Ergebnis der vergangenen 20 Monate. Diese Zeit kostete ihn viel Kraft und noch mehr Nerven. Seit dem Zoff mit dem Deutschen Skiverband im Winter 2006 war Herr auf der Suche nach einem neuen Verband. Eine vergebliche Suche. Schweden lockte den Mannschaftsweltmeister von 2001, wollte ihn dann aber doch nicht. Auch andere Nationen ("Da waren auch exotische Länder dabei.") blockten seine Anfrage ab. Den Rückweg in das Deutsche Team wollte er nicht einschlagen, die Möglichkeit hätte er gehabt. |
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Er lacht wieder. Nach frustrierenden Monaten startete Alexander Herr vor zwei Monaten in Saarbrücken seinen "zweiten Lebensabschnitt". kat |
Alexander Herrs springerische Aktivitäten beschränkten sich über ein Jahr lang ausschließlich auf trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Als Einzelkämpfer mit einem einzigen Ziel: Die Rückkehr in den Weltcup. Doch diese Hoffnung wurde von Tag zu Tag geringer. Aus Lust am Sport wurde Frust. "Da ist viel kaputt gegangen", gibt Alex Herr offen zu. Wenn einer, der zuvor vier Bänderrisse im Knöchel, zwei Kreuzbandrisse im Knie und einen schweren Knorpelschaden weggesteckt hat, aufgibt, kann man mit Gewissheit sagen, dass es keine Rückkehr-Möglichkeit mehr gab. |
| Die Enttäuschung saß tief. Die 17 Paar Sprunglatten und 28 Anzüge in seinem Keller hätte Herr wohl am liebsten in den nächsten Container geschmissen. | |
| Doch das Ende seiner Profikarriere nutzte Herr zugleich für einen Neuanfang, weit weg von Schanzen und Krafträumen. Vor wenigen Wochen hat der 29-Jährige etwas begonnen, was er als "meinen zweiten Lebensabschnitt" bezeichnet. An der privaten Berufsakademie in Saabrücken studiert er seit dem 1. Oktober Gesundheitsmanagement. Es ist ein Fernstudium. Vier Tage por Monat muss der Schonacher ins Saarland. | |
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Herr lernt aber nicht nur, er lehrt auch. Freiberuflich informiert Alex Herr im Bereich Arthrose und Gelenkbeschwerden. "Das macht riesig Spaß, vor 200 Leuten in Unternehmen oder Institutionen Vorträge zu halten. Ich will das noch weiter ausbauen, in Bereichen wie mentale oder körperliche Fitness." Das nötige medizinische Wissen hat er sich in den vergangenen Jahren angeeignet. Kein Wunder, denn es gibt nicht viele Spitzensportler, die so oft und so lange verletzt waren wie der Schonacher Skispringer. Den Ehrgeiz und die Professionalität, die ihn stets wieder zurück in den Springer-Zirkus brachten, will er nun für Lern- und Lehrtätigkeit nutzen. |
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Von einem Engagement als Skisprung-Trainer will Alexander Herr derzeit nicht allzu viel wissen. "Ich dränge nicht drauf und es ist auch kein Thema. Vorstellen kann ich mir das irgendwann schon, deshalb will ich es auch nicht ganz ausschließen." |
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Ein Engagement als Skisprung-Experte bei der ARD hätte er sich dagegen schon eher vorstellen können und war auch kurz davor. Doch da sich RTL vor drei Wochen aus der Skisprung-Übertragung zurückzog, verpflichtete die ARD Dieter Thoma, der zuvor acht Jahre als Experte bei RTL tätig war. Wohl ein weiterer Grund, dass Herrs Lust auf Skispringen sich bislang nicht wesentlich gesteigert hat. |
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Trotz der frustrierenden, wettkampflosen Zeit, der neuen Ziele und der Absage als Fernseh-Experte kann auch der "neue" Alexander Herr nicht verbergen, dass ein gewisses Kribbeln noch da ist, wenn's um Schanzen und Weiten geht. "Wenn ich Bilder von früher sehe, berührt es mich immer noch. Das war eine emotionale Zeit, mit vielen schönen Momenten." Deshalb wird es wohl nicht lange dauern, bis sich Alexander Herr wieder vor den Fernseher setzt, wenn die Skispringer über den Bildschirm fliegen. Vielleicht nicht sofort, aber mit Sicherheit schon recht bald. |
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